Schützenscheiben im Exil

Projekt von Nadja El-Hagge

Seit 2014 bearbeite ich kleine, 17x17cm große Schießscheiben, die ich bemale und wie ein Tagebuch nutze. Was im Kleinen entsteht, wächst in den Jahren zu immer größer werdenden Bildeinheiten heran.

2020 habe ich mich dem Thema „Hoffnung und Neuanfang in Zeiten der Pandemie“ gewidmet und meine Gedanken in Form von Zeichnungen, Kollagen und Malereien auf die Scheiben gebracht.

1. HOFFNUNG…

Bei Ausbruch der Pandemie habe ich mich in ein selbst gewähltes künstlerisches Exil zurückgezogen.

Wer ins Exil geht nimmt sich mit. Sich und das, was ihm wichtig ist. Ich habe meine Kunst, Mode, Visionen und Hoffnungen mitgenommen und in der Kleinstadt Schotten im mittelhessischen Vogelsberg einen Laden mit eigenem Modelabel eröffnet. Aufmerksam bearbeitete ich in meinen Scheiben die neuen Eindrücke, die ich hier gewann.

Als Abschluss des Projektes installierte ich im Bürgerbüro der Stadt Schotten eine Ausstellung mit bereits vor der Pandemie bestehenden und den zahlreichen neuen Schützenscheiben.


Die Wintermonate, Lockdowns und ansteigende Coronazahlen hinterließen eine Leere.

Auch hier fand ich über die Malerei sowie die innere und äußere Betrachtung ein Ventil und einen Weg aus der Angst. Ich produzierte Bilder, die neben dem inneren Zerwürfnis auch Themen der Hoffnung und der Eröffnung neuer Perspektiven aufgriffen.


2. PHÖNIX AUS DER ASCHE

In diesem Perspektivenwechsel sehe ich mich als Beobachterin einer sich verändernden Gesellschaft zwischen Scheitern und Hoffnung.

Es erscheint eine stetig gleichbleibende Realität, die Existenzen ruiniert hat. Vage Versprechen über Lockerungen, ausbleibenden Verbesserungen sowie das Gefühl, in einer beengenden Gesamtsituation in einer Warteschleife festzusitzen, hat viele Menschen zermürbt.

Der Perspektivenwechsel eines durch Corona gezeichneten Alltags bedeutet nicht, den eisigen Wind, der uns entgegenweht, ändern zu können. Aber es besteht die Möglichkeit, die Segel auf einen neuen Kurs auszurichten. Viele Menschen haben die verborgenen Chancen genutzt, um sich zu stärken und eigene Werte und den Status zu überdenken. Die Gemeinschaft erhält für sie einen neuen Stellenwert, so dass die Bereitschaft wächst, Verantwortung für sich Selbst und Andere zu tragen. Und sie erkennen, wie filigran das Leben ist, das sie erschaffen haben.

Diesen Perspektivenwechsel möchte ich in einer Kollage mit dem Titel „Phönix aus der Asche“ final in einer Ausstellung zusammenfassen.


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